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Anleitung: 5 Schritte für inklusive Sprache in deinen Texten

unterschiedliche Menschen mit Sprechblasen vor dem Gesicht, dazu Schriftzug: Anleitung: 5 Schritte zu inklusiver Sprache in deinen Texten

Wichtig zu wissen: Inklusive Sprache ist ein Prozess, kein Regelwerk.

Inklusive Sprache bedeutet, möglichst viele Menschen sprachlich einzubeziehen, statt sie auszugrenzen. Ein Teilbereich der inklusiven Sprache ist die geschlechtergerechte Sprache. Es geht aber um mehr: um Menschen unterschiedlicher Herkunft und Ethnien, um Menschen mit und ohne Behinderung, um Menschen mit unterschiedlichem Bildungsniveau und unterschiedlicher Lebensrealität. Wer sich um inklusive Sprache bemüht, möchte alle Menschen in der Sprache abbilden und für alle verständlich schreiben.

Natürlich ist „alle“ immer nur ein Idealziel. Es wird nie gelingen, dass sich jede einzelne Person angesprochen und einbezogen fühlt. Und natürlich schreiben wir trotz allem aus unserer persönlichen Sicht und für unsere spezielle Zielgruppe. Aber das ändert nichts am grundsätzlichen Ziel, Sprache möglichst diskriminierungsfrei und inklusiv zu nutzen.

Du möchtest diesem Ziel näher kommen, weißt aber nicht genau, wie? Dann ist diese Anleitung genau richtig für dich. Hier stelle ich dir 5 Schritte vor, mit denen du deine Sprache inklusiver machst, ohne dich selbst zu verbiegen.

Schritt 1 für inklusive Sprache: Wirf den Perfektionismus über Bord!

Je tiefer man sich mit dem Thema inklusive Sprache beschäftigt, umso größer wird es. Man kommt vom Hölzchen zum Stöckchen, wie man so schön sagt. Und am Ende tut man gar nichts, weil der Berg an Möglichkeiten viel zu groß ist, weil sich alles ungewohnt anfühlt oder weil man Angst hat, Fehler zu machen.

Ich möchte dich ermutigen, den Perfektionismus an dieser Stelle beiseitezuschieben und einfach mal anzufangen. Es gibt keine Sprachpolizei, die prüft, ob du alles richtig machst. Du entscheidest selbst, an welchen Stellen du deine Sprache ändern möchtest und an welchen nicht. Inklusive Sprache ist ein Prozess, kein Regelwerk.

Die meisten Menschen in marginalisierten Gruppen nehmen Bemühungen wahr und freuen sich darüber. Auch dann, wenn noch nicht alles einheitlich und „perfekt“ ist. Es geht bei der inklusiven Sprache nicht um das starre Befolgen von Regeln, sondern um eine Grundhaltung: Sprache ist Teil der gesellschaftlichen Kommunikation und soll möglichst oft verbindend und nicht ausgrenzend wirken.

Also: Senke deinen persönlichen Anspruch! Du musst nicht perfekt sein. Du musst keine alten Texte überarbeiten. Du musst nicht für alle Aspekte schon jetzt optimale Lösungen kennen. Du darfst Dinge ausprobieren und sie später wieder ändern, wenn sie für dich doch nicht funktionieren. Und du musst nicht alle marginalisierten Gruppen auf einmal berücksichtigen. Fang einfach bei deinem nächsten Text mal an, einen oder zwei neue Punkte umzusetzen!

Schritt 2: Schreibe einfach und klar!

Bevor ich mit diesem Tipp anfange, eine kurze Erklärung: „Einfache Sprache“ und „Leichte Sprache“ sind Konzepte, mit denen Texte zum Beispiel für Menschen mit Lernschwierigkeiten verständlicher werden sollen. Das ist ein wirklich spannendes Thema, aber darum geht es mir in diesem Tipp gar nicht. Hier soll es einfach darum gehen, weniger kompliziert zu schreiben.

Je komplizierter dein Text nämlich ist, umso weniger Menschen können ihn problemlos verstehen. Mit leichterer Sprache beziehst du mehr Menschen ein:

  • Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist
  • Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau
  • Menschen mit Konzentrations- oder Lernschwierigkeiten

Ein einfacher und klarer Sprachstil ist aber nicht nur für diese Personengruppen sinnvoll, sondern für alle. Auch hochgebildete Muttersprachler:innen profitieren davon, wenn Texte leicht und schnell verständlich sind. Das ist ein wenig wie mit Rollstuhlrampen: Auch wenn sie auf den ersten Blick „nur“ für Rollstuhlfahrer:innen gemacht sind, profitieren auch Menschen mit Kinderwägen, Rollatoren, Fahrrädern, Rollkoffern oder Krücken davon. Eine Barriere, die abgebaut wird, macht für alle das Leben leichter. Und – ein weiterer positiver Nebeneffekt – auch die Suchmaschinen bevorzugen einfache, gut strukturierte Texte.

Wie schreibt man nun einfacher und klarer? Diese Tipps helfen dir:

  1. Achte auf kurze Sätze und Absätze. Wenn du zu Schachtelsätzen neigst, versuche sie zu teilen.
  2. Die wichtigsten Informationen im Satz sind das Subjekt („Wer oder was?“) und das Prädikat/Verb („Was tut jemand?“). Achte darauf, dass diese Informationen möglichst weit am Anfang des Satzes stehen.
  3. Reduziere Fachbegriffe in deinen Texten und/oder erkläre sie. Wenn ein Fachbegriff immer wieder vorkommt, lohnt sich vielleicht ein eigener Erklärungstext dazu. Aber auch ein Link zu einer Fremdseite kann sehr hilfreich sein (und ist außerdem für deine SEO gut).
  4. Strukturiere deine Texte mit Zwischenüberschriften, Aufzählungen und hilfreichen Bildern. Die Leser:innen sollten sich schnell einen Überblick über die Inhalte verschaffen können.
  5. Benenne Zusammenhänge konkret! Nutze den Ausdruck „man“ weniger und schreibe stattdessen genau, wer gemeint ist. Zu diesem Thema habe ich übrigens hier schon einmal ausführlicher geschrieben.
  6. Verwende möglichst wenig Passiv in deinen Texten! Dadurch schreibst du konkreter und vereinfachst gleichzeitig deine Satzstruktur. Auch dazu habe ich im Blog schon einmal geschrieben.

Lesetipp: Wenn du dich mit diesem Themengebiet genauer beschäftigen willst, empfehle ich dir diesen Artikel.

Schritt 3: Nutze gendergerechte Sprache als Teil der inklusiven Sprache!

Geschlechtergerechte Sprache ist ein Teilaspekt der inklusiven Sprache und noch dazu einer der bekanntesten. Wenn deine Texte inklusiver werden sollen, ist das Gendern ein wichtiger Schritt dazu.

Es gibt ganz unterschiedliche Varianten der geschlechtergerechten Sprache. Ich habe in meinem Text „Was ist Gendern?“ die wichtigsten Formen vorgestellt und Tipps gegeben, wie du die passende für dich findest. Neben Sternchen und Doppelpunkten gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, um verschiedene Geschlechter sprachlich sichtbar zu machen.

Wenn du noch nicht sicher bist, ob das Gendern dir wirklich Vorteile bringt, helfen dir vielleicht meine persönlichen Gründe für geschlechtergerechte Sprache weiter.

Und wenn du viele Gegenargumente gegen das Gendern im Kopf hast, dann solltest du dir diesen Artikel einmal anschauen. Dort habe ich viele dieser scheinbaren Gegenargumente überprüft.

Schritt 4 für inklusive Sprache: Vermeide Stereotypen!

Nicht nur die Formulierungen sind wichtig für inklusive Sprache, sondern auch der Inhalt deiner Texte. Achte darauf, weniger unnötige Stereotype zu verwenden. Das ist gar nicht so einfach, weil wir meistens gar nicht wissen, welche Vorurteile und Stereotype wir im Kopf haben. Ein paar Beispiele, die dir helfen können:

  • Wann verwendest du üblicherweise männliche und wann weibliche Sprachformen? Schreibst du automatisch von Kosmetikerinnen und Erzieherinnen, aber von Ärzten und Wissenschaftlern? Dann drehe diese Sprachformen doch einfach mal um!
  • „Aufruf an alle Mamis zum Kuchenbacken fürs Sommerfest!“ Solche Aussagen liest man leider noch sehr häufig. Sie zementieren unnötig Geschlechterklischees und lassen sich ganz einfach durch „Eltern“ ersetzen.
  • Schaue dir Sätze genauer an, die allgemeine Aussagen über ganze Personengruppen treffen. Jugendliche sind respektlos, alte Frauen backen viel, Politiker:innen lügen, Schwule haben einen guten Modegeschmack, … Solche Aussagen stimmen in der Verallgemeinerung nie. Versuche, sie präziser zu formulieren!
  • Eine Person mit Behinderung „leidet an Krankheit xy“, „ist Opfer von xy“ oder „ist an den Rollstuhl gefesselt“? Solche Ausdrücke betonen passives Leid, das mit der Lebensrealität der meisten Menschen mit Behinderung nicht viel zu tun hat. Besser sind Ausdrücke wie „hat Krankheit xy“, „lebt mit xy“ oder „benutzt einen Rollstuhl“.

Schritt 5: Verzichte auf Begriffe, die als beleidigend wahrgenommen werden!

Wenn du über ethnische Gruppen, Menschen mit Behinderung oder andere marginalisierte Gruppen schreibst, dann vermeide Begriffe, die diese Gruppen für sich ablehnen. Auch wenn du selbst diese Ausdrücke vielleicht ganz neutral verwendest, können sie als beleidigend empfunden werden. Zu inklusiver Sprache gehört auch, die Wünsche der benannten Gruppen so weit wie möglich zu berücksichtigen und auf diskriminierende Ausdrücke zu verzichten.

Natürlich musst du nicht bei jeder Erwähnung eine komplexe Recherche starten, ob dieser oder jener Begriff besser ist. Das ist auch nicht so einfach, weil sich natürlich auch innerhalb einer Gruppe nicht alle Menschen einig sind. Aber es lohnt sich, immer mal zu hinterfragen, welche Ausdrücke du selbst verwendest und wie diese wahrgenommen werden. 

Spätestens wenn du darauf hingewiesen wirst, dass du ungünstige Begriffe verwendest, lohnt sich ein genauerer Blick. Das hat nichts mit Sprachverboten oder politischer Korrektheit zu tun. Es ist einfach eine Frage des Respekts, verletzende Begriffe zu vermeiden. Klar fühlt sich das manchmal komisch an, vor allem, wenn man sich gar nichts Böses dabei gedacht hat. Aber man gewöhnt sich an die meisten sprachlichen Veränderungen erstaunlich schnell, wenn man sich darauf einlässt.

Fazit

Inklusive Sprache ist eine Grundhaltung und ein Prozess, den du für dich selbst gestalten kannst, wenn du möchtest. Niemand zwingt dich dazu und niemand schreibt dir bestimmte Regeln vor, die du einhalten müsstest. Aber du kannst mit einer bewussten, diskriminierungsfreien Sprache anderen mit Respekt begegnen und damit die Welt ein kleines bisschen besser machen.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke Danke Dank!
    So wichtig. Ich selbst merke, wie schwer es ist inklusive Sprache zu verwenden, wenn man es in der Schule nicht gelernt hat.
    Wie du schreibst, es ist ein Prozess und du unterstützt mich in meinem Prozess <3

    Antworten

    • Liebe Julia, das freut mich sehr, vielen Dank für deine Rückmeldung 🙂 Ja, es ist wirklich nicht so einfach, weil es an vielen Stellen Umgewöhnungen bedeutet. Aber gerade dieser Prozess kann unheimlich spannend sein, finde ich. Viel Erfolg auf deinem Weg! 🙂 Viele Grüße, Birgit

      Antworten

  2. Hallo Birgit,
    vielen Dank! Wichtiges Thema und gute Anregungen.
    Wir haben da alle noch viel Luft nach oben, habe ich den Eindruck. Und ich vorneweg.
    Gruß,
    Heiko

    Antworten

    • Hallo Heiko! Freut mich, dass ich dir hilfreiche Anregungen geben konnte 🙂 Ja, da ist noch viel zu tun, für uns alle. Aber jedes winzige Schrittchen hilft 🙂 Viele Grüße, Birgit

      Antworten

  3. Hallo Birgit,
    Dein Artikel gefällt mir richtig gut.
    Bei einigen Tipps habe ich erfreut genickt, da ich sie kenne und gerne anwende, z. B.: kurze Sätze, kein passiv, verständlich schreiben, strukturieren, Zwischenüberschriften , gendergerechte Sprache (worauf ich andere auch immer wieder gerne hinweise).
    Andere Tipps waren gefühlt „neu“ und inspirierend: z.B. „Stereotypen vermeiden“. Das habe ich erst gar nicht verstanden in der Überschrift. Dachte dann aber: GENAU!
    Ich war beruflich viele Jahre in der Unternehmenskommunikation und dachte: Solche Tipps könnten auch diese Abteilungen in Unternehmen super gut gebrauchen.
    Ich schaue gerne mal wieder in Deinem Blog vorbei.
    Liebe Grüße, Sabine 🙂

    Antworten

    • Liebe Sabine,
      es freut mich sehr, dass ich dich ein wenig inspirieren konnte! Und noch mehr freue ich mich natürlich, wenn du immer mal wieder hier vorbeischaust 😀
      Viele Grüße
      Birgit

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