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Warum Rechtschreibung wichtig ist (aber nicht immer)

Buchstaben aus einem Scrabble-Spiel, dazu Schrift: "Warum Rechtschreibung wichtig ist (aber nicht immer)".

Hier erfährst du, warum Rechtschreibung wichtig ist, wann du nicht damit übertreiben muss und wie du deine Rechtschreibung verbesserst.

Vor Kurzem fragte in einer Facebook-Gruppe jemand, warum die Rechtschreibreform aus den 90ern noch immer einige Leute aufregt. Ich war sofort versucht, Popcorn zu holen, und ich hätte es auch brauchen können. Wow, da ging es hoch her! Und während sich einige die Köpfe einschlugen über die Frage, wie schlimm oder gut die Rechtschreibreform war, habe ich ein bisschen intensiver über Rechtschreibung nachgedacht. Spielt Rechtschreibung außerhalb der Schule überhaupt eine Rolle? Muss ich immer und überall korrekte Rechtschreibung anwenden? Warum ist Rechtschreibung wichtig? Und wie zur Hölle kann ich meine Rechtschreibung verbessern, wenn ich dabei Schwierigkeiten habe? Diesen Fragen gehe ich in diesem Text für dich nach.

Warum ist Rechtschreibung wichtig?

Die einheitliche deutsche Rechtschreibung ist ziemlich jung: Sie wurde erst 1901 erstmals festgelegt. Vorher schrieb man – von wenigen Regeln abgesehen – so, wie man wollte. Oder so, wie es in einer Region üblich war. In Bayern wurden andere Schreibweisen gelehrt und verwendet als in Preußen. Dadurch entstanden sehr viele unterschiedliche Schreibweisen. Die Vereinheitlichung der Rechtschreibregeln diente der Vereinfachung beim Schreiben und vor allem beim Lesen.

Ein wichtiger Punkt dabei ist das Lesen in Wortbildern. Wenn wir einmal über den Leselernprozess hinausgekommen sind, lesen wir nicht mehr die einzelnen Buchstaben, sondern erkennen ein Wort auf einen Blick. Nur dadurch ist eine sinnvolle Lesegeschwindigkeit überhaupt möglich. Und nur dadurch können wir einen größeren Überblick über den Text gewinnen. Wir erkennen zum Beispiel sehr schnell, welche Wörter zusammengehören oder wie ein Satz aufgebaut ist. Das geht aber nur, weil Wörter ein einheitliches Wortbild haben.

Probier mal, wie schnell du diesen Satz aus der Lutherbibel von 1545 lesen kannst:

„Vnd der friede Gottes welcher höher ist denn alle vernunfft beware ewre hertzen vnd sinne in Christo Jhesu.“

Und? Ging langsamer, als du es gewohnt bist, oder? Obwohl in diesem kurzen Luther-Zitat keine Wörter stehen, die heute unbekannt wären, stolpert man über die ungewohnte Rechtschreibung und fehlende Kommasetzung.

Noch ein weiteres, nicht historisches Beispiel: In meinem Lehramts-Referendariat erzählte eine Dozentin von einem Zettel, den die Mutter eines Grundschulkindes mit in die Schule schickte. Es war eine Entschuldigung dafür, dass sie nicht zum Elterngespräch am Tag davor erschienen war. Das war ihre Erklärung:

„Ich hat kein bein klein.“

Und, alles klar? Sie hatte keinen Babysitter für die jüngeren Kinder: „Ich hatte keinen bei den Kleinen.“ Geschrieben wie gesprochen, aber leider völlig unverständlich.

Notizzettel mit Aufschrift "Ich hat kein bein klein."

Geschrieben wie gesprochen, aber leider völlig unverständlich. Hier wäre Rechtschreibung wichtig gewesen.

Natürlich ginge es auch ohne Rechtschreibregeln. Jede:r würde dann schreiben, wie sie:er es für richtig hielte. Das ginge schon. Aber es wäre sehr viel schwieriger, sich in Texten zurechtzufinden und sie sinnvoll zu lesen. Ein bisschen ist das wie mit Straßenverkehrsregeln. Man käme natürlich irgendwie ohne Regeln aus. Aber die Verkehrsregeln machen die Sache deutlich einfacher und verhindern Unfälle.

Soweit zu den generellen Vorteilen einer einheitlichen Rechtschreibung. Aber wie schlimm ist es, wenn man eben Rechtschreibfehler macht und nicht immer alles ganz korrekt schreibt? Das kommt darauf an …

Spielt Rechtschreibung außerhalb der Schule eine Rolle?

Ob eine korrekte Rechtschreibung wichtig ist, hängt sehr vom Kontext ab. In meinen privaten Chatnachrichten gibt es zum Beispiel jede Menge Rechtschreibfehler. Das hat mehrere Gründe:

  • Ich vertippe mich, weil es im Gespräch schnell gehen muss.
  • Ich schreibe umgangssprachlich und eher so, als würde ich gerade tatsächlich sprechen. Das ist dann sprachlich oft nicht sehr schön.
  • Die Autokorrektur des Smartphones macht an vielen Stellen Mist. Sie reißt zum Beispiel zusammengeschriebene Wörter auseinander, obwohl dadurch ein Fehler entsteht.
  • Ich lese meine Chatnachrichten vor dem Abschicken meist nicht noch einmal genau durch.

Und ist es schlimm, dass in meinen privaten Chatverläufen Fehler stehen? Nein. Wenn ich mich mit jemandem im Privaten unterhalte, ist meine Sprache auch nicht so geschliffen, als würde ich einen Vortrag halten. Warum sollte das bei Unterhaltungen in schriftlicher Form anders sein? Natürlich muss das, was ich dort schreibe, noch verständlich und halbwegs gut lesbar sein. Aber wenn das der Fall ist, dann genügt es.

Anders sieht das aus bei Texten, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind oder in einem offiziellen bzw. geschäftlichen Kontext stehen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Webseiten
  • Blogbeiträge
  • Newsletter
  • Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel
  • Infobroschüren und andere Werbematerialien
  • Korrespondenz mit Geschäftspartner:innen, Vorgesetzten, Kund:innen oder auch Ämtern und Behörden
  • Bewerbungen

In solchen Texten sollten, wenn möglich, keine Rechtschreibfehler auftauchen. Das hat mit den unterschwelligen Botschaften zu tun, die ein fehlerhafter Text mitsendet:

Was falsche Rechtschreibung beim Gegenüber auslösen kann

Andere Menschen bilden sich aufgrund unseres Auftretens eine Meinung über uns. Und dazu gehören auch die Texte, mit denen wir nach außen gehen. Fehlerhafte Texte mit vielen Rechtschreibfehlern senden unterschiedliche negative Botschaften:

Falsche Rechtschreibung wirkt respektlos

Eine Bewerbung mit mehreren Rechtschreibfehlern wird von den Verantwortlichen in den meisten Fällen sofort aussortiert. Der Grund: Die Fehler wirken respektlos. Konnte der:die Bewerber:in sich nicht einmal für so einen wichtigen Brief die Mühe geben, Fehler auszumerzen, ein Korrekturprogramm zu verwenden, jemanden kontrollieren zu lassen, noch einmal genauer nachzulesen? Dann scheint ihr:ihm die Sache ja nicht viel wert zu sein …

Natürlich muss dieser Eindruck überhaupt nicht stimmen. Trotzdem kann er entstehen, nicht nur bei Bewerbungen.

Falsche Rechtschreibung wirkt unprofessionell

Wenn ich zwei unbekannte Handwerker:innen zur Auswahl habe, wähle ich vermutlich den:die mit der besseren Rechtschreibung auf der Homepage. Nicht weil ich denke, dass Rechtschreibung besonders wichtig für einen Fliesenleger oder eine Klempnerin wäre. Aber weil es für mich Auskunft über die Gründlichkeit der Arbeit gibt:

Liest sie:er die Texte, die nach außen gehen, noch einmal gründlich durch und versucht, sie so gut wie möglich hinzubekommen? Dann macht sie:er das hoffentlich im eigenen Gewerk erst recht.

Erkennt sie:er die eigenen Grenzen und sucht sich dann Rat bei Fachpersonen? Großartig! Das möchte ich bitte auch, wenn sich bei der Baustelle in meinem Haus plötzlich ein unerwartetes Problem ergibt.

Eine (grob) falsche Rechtschreibung auf einer Homepage, in Infobroschüren oder in Blogbeiträgen wirkt ungründlich, unbedacht und unprofessionell. Keine gute Basis für eine Zusammenarbeit.

Falsche Rechtschreibung wirkt ungebildet

Viele Menschen werfen Rechtschreibung und Bildung in einen Topf. Das ist ein bisschen ungerecht, denn so einfach ist der Zusammenhang nun wirklich nicht. Das ändert aber nichts daran, dass falsche Rechtschreibung häufig als mangelnde Bildung gewertet wird. Nicht umsonst hat sich zum Beispiel der Begriff „Deppenapostroph“ für die falsche Verwendung von Apostrophen eingebürgert.

Es lohnt sich also schon für die Außenwirkung, der Rechtschreibung in den eigenen Texten ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Es gibt Unterschiede zwischen den Rechtschreibfehlern

Heißt das jetzt, dass dir nie auch nur der kleinste Fehler passieren darf? Natürlich nicht! Aber es kommt auf die Art und Häufigkeit der Fehler an:

Ich habe Deutsch als Hauptfach in meinem Lehramtsstudium studiert, ich bin seit zehn Jahren beruflich Texterin und trotzdem passieren mir Rechtschreibfehler. Es gibt Wörter, die ich jedes Mal wieder nachschlagen muss, weil ich mir einfach nicht merken kann, wie sie geschrieben werden. Dazu gehören zum Beispiel die Ausdrücke „überhandnehmen“ oder „infrage kommen“. Und sicher gibt es auch Fehler, die mir selbst gar nicht bewusst sind, weil sie so selten und speziell sind.

Aber ganz ehrlich: Auf solche Details kommt es nicht an. Keine ansonsten korrekte Bewerbung wird in den Mülleimer wandern, weil dort „überhand nehmen“ steht. Alleine schon deshalb, weil vermutlich die meisten Menschen selbst nachschlagen müssten, wie man das nun schreibt.

Es ist also nicht jeder Rechtschreibfehler gleich.

In Details darf man ruhig mal falschliegen, ohne dass es gleich respektlos, unprofessionell oder ungebildet wirkt. Aber die grundlegende Rechtschreibung sollte stimmen.

Es gibt einige Fehler, die besonders auffällig sind und deshalb wirklich nicht passieren sollten. Dazu gehören zum Beispiel diese:

  • das „Deppenapostroph“
  • die falsche Verwendung von s / ss / ß
  • die Verwechslung von „seit“ und „seid“ oder „tot“ und „Tod“
  • fehlende oder falsche Kommasetzung bei Nebensätzen
  • Groß- und Kleinschreibung bei Alltagsbegriffen
  • Buchstabendreher und andere Tippfehler (denn die werden wirklich einfach von Rechtschreibprogrammen gefunden)

Wenn dir hin und wieder mal so ein Fehler in den Blogbeitrag rutscht: Geschenkt. Aber im Großen und Ganzen sollten dein Text schon korrekt sein. Um auf die Ursprungsfrage des Textes zurückzukommen: In sehr vielen Fällen ist Rechtschreibung wichtig. Aber zu genau muss man es nun auch wieder nicht nehmen.

Wie kann ich meine Rechtschreibung verbessern?

Hast du dich im bisherigen Text ein klein wenig ertappt gefühlt, weil Rechtschreibung nicht deine Kernkompetenz ist? Dann kommen hier ein paar Tipps, wie du deine Rechtschreibung verbessern kannst:

Nicht ganz sicher mit der Rechtschreibung? Dann lass deine Texte korrekturlesen!

Wenn du dir mit der Rechtschreibung nicht sicher bist, lass lieber noch eine andere Person auf die Texte schauen, die du veröffentlichen möchtest.

Nutze immer Rechtschreibprogramme, bevor du etwas veröffentlichst

Für den Anfang reicht schon die eingebaute Rechtschreibkorrektur in Word oder Open Office. Ich verwende gerne den Duden Mentor. In der kostenlosen Version muss man zwar kleine Textfragmente einzeln eingeben, aber das lohnt sich. Der Mentor findet sehr viele Fehler und gibt hilfreiche Erklärungen dazu.

Natürlich findet kein Rechtschreibprogramm wirklich ALLE Fehler. Aber sehr viele eben doch. Vor allem die besonders wichtigen Rechtschreibfehler, die bei anderen negativ ankommen können, fallen auf diese Weise auf.

(Bei diesem Text habe ich dadurch zum Beispiel einen das-/dass-Fehler gefunden, den ich vorher mehrfach überlesen hatte. Das wäre mir wirklich peinlich gewesen.)

Schlage Wörter nach, wenn du dir nicht sicher bist

Es klingt banal, aber ich merke trotzdem, dass viele Menschen kaum den Duden nutzen. Ich habe den Eindruck, es beschämt manche, wenn sie Wörter nachschlagen müssen. Dabei ist das völlig normal und hilfreich. Ich schlage immer wieder Wörter nach (oft auch die gleichen, die ich schon drei Dutzend mal nachgeschaut habe). Da im Online-Duden auch immer Beispiele für die Verwendung angegeben sind, bleibt die richtige Schreibweise leichter hängen.

Mache dir deine Fehler bewusst

Es genügt nicht, einfach alles anzunehmen, was das Korrekturprogramm vorschlägt. Wenn du besser in Rechtschreibung werden möchtest, solltest du dir die Fehler und Verbesserungsvorschläge genauer anschauen. Welche Regel steckt dahinter? Warum schreibt man das an dieser Stelle so? Und irrt sich das Rechtschreibprogramm vielleicht sogar in diesem Fall? (Das kommt recht häufig vor, weil die Programme noch längst nicht alle Zusammenhänge erkennen können.) Auch hier hilft: Im Zweifel nachschlagen oder Leute fragen, die dir das Problem genauer erklären können.

Notiere dir häufige Fehler

Wenn du feststellst, dass du einen Fehler immer wieder machst, dann notiere dir die korrekte Schreibweise und hänge den Zettel an deinen Schreibtisch. Nach und nach schleift sich dann die richtige Schreibweise ein und du kannst dich auf andere Dinge konzentrieren.

Lies meine Rechtschreib-Quickies

Ich erkläre hier im Blog immer mal wieder Rechtschreibfälle, bei denen häufig Fehler gemacht werden. In diesen Rechtschreib-Quickies kannst du in kürzester Zeit dazulernen und deine Rechtschreibung verbessern. Es lohnt sich also, regelmäßig hier vorbeizuschauen und mir auf Facebook oder Instagram zu folgen.

Lass deine Texte korrekturlesen

Wenn du dir einfach noch nicht sicher mit der Rechtschreibung bist, dann lass andere Menschen über deine Texte schauen, bevor du sie veröffentlichst! Das kann die beste Freundin oder der Bruder sein, aber du kannst dich natürlich auch an Profis wenden. Auch hier gilt: Schau dir die korrigierten Fehler genauer an und lass dir den einen oder anderen erklären, damit du langfristig besser wirst.

Wenn ich mir einen deiner Texte genauer anschauen und dir Rückmeldung über Rechtschreibung, Sprache und Stil geben soll, schreibe mir einfach eine Mail an oppermann.birgit@web.de. Ich schicke dir dann gerne ein Angebot.

Mich interessiert natürlich auch deine Meinung: Wie wichtig findest du Rechtschreibung im Allgemeinen? Und welche Fehler nerven dich besonders? (Vielleicht mache ich demnächst einen Rechtschreib-Quickie daraus.) Schreib mir einen Kommentar!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mein Problem war immer: Rechtschreibung ist von einem Gremium bestimmt. Sie folgt zwar Regeln, dieser können und wurden aber schon geändert. Was heute nicht richtig ist, kann morgen falsch sein und umgekehrt. Es kommt mir vor, wie ein System, das geschaffen wurde um Sprachliche Bildung zu einem Fach zu machen, dessen Richtigkeit keinen Naturgesetzten folgt, sondern den Entscheidungen von Akademikern. Da habe ich mir immer die Mathematik gelobt.

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    • Hallo Jens! 
      Ich stimme dir zu, dass Rechtschreibregeln wandelbarer sind als Mathematik oder Naturgesetze. Aber das liegt vor allem daran, dass sich Sprache im Gegensatz zu Zahlensystemen und physikalischen Gegebenheiten in vergleichsweise kurzer Zeit sehr verändern kann. Im Vergleich dazu sind die Änderungen an den Rechtschreibregeln erstaunlich träge. Alle paar Jahrzehnte eine Anpassung, das finde ich nicht übertrieben 🙂 Um sich die Notwendigkeit einer gemeinsamen Rechtschreibung vor Augen zu führen, kann es hilfreich sein, sich Briefchen und Aufsätze von Erst- und Zweitklässlern anzuschauen. Vor allem dann, wenn zunächst nach Gehör unterrichtet wird und die Rechtschreibung erst später Thema wird. Diese Texte sind in sich logisch geschrieben, wenn man bedenkt, welche Laute die Kinder hören. Aber sie sind wahnsinnig schwer lesbar. So war das generell bei allem Schriftlichen, bevor eine allgemeine Rechtschreibung festgelegt wurde. Diese Gremien haben also eine sehr klare Berechtigung und erleichtern das Kommunizieren enorm 🙂 Der These, dass es nur um die Schaffung eines akademischen Faches ging, stimme ich also nicht zu, sondern bin sehr dankbar für Regeln, die sich auch gerne hin und wieder ändern dürfen. 
      Viele Grüße
      Birgit

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