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ADHS: Superkraft oder Behinderung?

Titelbild für den Blogartikel "ADHS: Superkraft oder Behinderung?"ADHS ist meine Superkraft!“ Das lese ich immer wieder und finde die Aussage sehr schwierig.

Versteh mich nicht falsch: Ich kann sehr gut nachfühlen, was damit gemeint ist. Neurodivergenzen gehen mit großartigen Eigenschaften und Fähigkeiten einher. Trotzdem sehe ich diese Superkraft-Aussage extrem kritisch. Denn zum einen ist die Superkraft nie dann abrufbar, wenn wir sie brauchen. Und zum anderen geht ADHS auch mit massiven Herausforderungen einher.

Genauso schwierig wie die Superkraft-Einordnung finde ich es aber, wenn ADHS ausschließlich als Einschränkung oder gar Behinderung betrachtet wird. Ist es beides? Oder nichts von beidem? Oder wie? Schauen wir uns die Sache mal genauer an.

Oft unterschätzt: ADHS kann eine massive Einschränkung sein

Machen wir uns nichts vor: ADHS zu haben ist oft richtiger Mist. Alleine schon, was das an Geld kostet! Und wie viel Stress es die ganze Zeit bedeutet, mit den ganz normalen Dingen klarzukommen! Von den Risiken für schwere Erkrankungen mal ganz abgesehen. Wusstest du, dass unbehandeltes ADHS statistisch gesehen das Leben um 7 bis 12 Jahre verkürzt?

ADHS kann jeden Lebensbereich betreffen und wirklich belastend sein:

  • Menschen mit ADHS haben signifikant mehr Unfälle, von kleinen Alltagsverletzungen bis hin zu Unglücken mit tödlichem Ausgang.
  • Sie entwickeln häufiger Depressionen, Angsterkrankungen, Essstörungen oder Suchterkrankungen.
  • Die Suizidrate unter ADHSler*innen ist drastisch erhöht.
  • Viele Menschen mit ADHS sind dauerhaft nervös und unruhig, schlafen schlecht und haben massiven Stress, mit allen negativen Folgen, die das haben kann.
  • ADHS-Kinder erleben im Vergleich zu neurotypischen Kindern ein Vielfaches an Ablehnung, Kritik und Zurechtweisung, was sich katastrophal auf das Selbstbild auswirken kann.
  • ADHSler*innen ecken häufig an und haben Schwierigkeiten in den unterschiedlichsten sozialen Situationen.
  • Sie bleiben in der Schule und im Beruf oft weit unter ihren Möglichkeiten.
  • Menschen mit ADHS müssen sehr viel mehr Energie für ganz normale Alltagstätigkeiten aufwenden und scheitern trotzdem häufig daran. Auch das kann die unterschiedlichsten negativen Folgen haben.
  • Und: Viele ADHSler*innen bemerken einen Großteil dieser Nachteile noch nicht mal so richtig, weil sie ja nur ihr eigenes Gehirn kennen. Und weil ihnen so oft vermittelt wurde, dass der Fehler bei ihnen liegt.

Diese Liste der negativen ADHS-Folgen ist bei Weitem nicht vollständig. Aber sie macht schon deutlich, dass ADHS richtig scheiße sein kann. Klar: Diese Probleme können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche leiden mehr darunter, andere weniger. Trotzdem kann und sollte man sie nicht einfach wegwischen.

Wichtig zu wissen: Unter Umständen kann man mit ADHS tatsächlich einen Grad der Behinderung beantragen. Zumindest wirkt es sich oft zusätzlich erschwerend aus, wenn noch weitere Probleme vorliegen.

Genauso wichtig: ADHS kann eine echte Superkraft sein

Ist ADHS also nur eine Einschränkung? Auf keinen Fall! ADHS geht mit vielen wundervollen Eigenschaften einher, zum Beispiel diesen:

  • Menschen mit ADHS sind begeisterungsfähig as fuck.
  • Sie haben extrem hohe Problemlösungsfähigkeiten, vor allem in schwierigen Situationen.
  • Sie denken häufiger „out of the box“ und kommen so auf Ideen, die anderen niemals einfallen würden.
  • ADHS geht bei vielen Menschen mit einer sehr schnellen Auffassungsgabe einher. Vor allem autodidaktisches Lernen fällt uns leichter als neurotypischen Menschen.
  • Viele ADHSler*innen sind besonders kreativ und vielseitig interessiert.
  • Dadurch erwerben sie im Lauf der Zeit ein extrem breites Wissen und Können.
  • In Zeiten von hohem Fokus können ADHSler*innen unfassbar viel in kurzer Zeit leisten.
  • Sie haben einen sehr hohen Gerechtigkeitssinn.
  • Sie sind lustig, interessant und haben eine Menge zu erzählen.
  • Und sie sind oft ausgesprochen empathisch.

So sehr ich es oft verfluche: Ich würde mein ADHS nicht hergeben. Es ermöglicht mir Sichtweisen und Fähigkeiten, die ich einfach wunderbar finde und von ganzem Herzen liebe.

Ja, ADHS hat Aspekte einer Superkraft. Aber ganz eindeutig nicht nur. Und leider ist diese Superkraft nicht bewusst abrufbar und schon gar nicht immer verfügbar.

Hört auf, ADHS zu glorifizieren! Und es zu verfluchen!

Wer ADHS nur als Superkraft versteht, negiert die vielen Probleme, die das Leben mit ADHS bis ins Unerträgliche hinein erschweren können.

Wer es aber nur als Einschränkung wahrnimmt, macht sich klein und hat es viel schwerer, zufrieden zu leben. Zum Glück bringt ADHS ja auch ein paar Fähigkeiten mit, die das Leben mit den Einschränkungen ein bisschen leichter machen.

ADHS ist eben ADHS. Ein Gesamtpaket. Ein anderes Betriebssystem könnte man sagen. Eine abweichende „Verdrahtung“ des Gehirns. Es hat einige echt spannende Vorteile und einige richtig üble Nachteile. Ich bin überzeugt: Wir werden uns selbst am besten gerecht, wenn wir beides wahrnehmen können.

Mehr Input für dein Leben mit ADHS?

Ich weiß: In der Theorie klingt das ja alles gut, in der Praxis kann es aber ganz schön schwierig sein, mit der eigenen Neurodivergenz umzugehen. Wenn dich dein ADHS gerade vor Herausforderungen stellt, dann lass uns darüber reden! Gemeinsam lichten wir dein Kopfchaos und finden Strategien, die wirklich zu deinem Gehirn passen.

Klingt interessant? Dann buche hier dein kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch!

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